Der Weblog zur Vorbereitung, Organisation und Berichterstattung zum Projekt

Autopsie ohne Skalpell

mobile_reporterinDie mobile Reporterin Yvonne Pöppelbaum zu Besuch im L3T-Camp München

Wenn Stephan Rupp zur Autopsie bittet, braucht er kein Skalpell. Mit Argusaugen durchleuchtet er Texte, statt Körper. Recherchiert verschollenen Fußnoten hinterher und findet auch in der hinterletzten Loseblattsammlung noch die gesuchte ‚Seitenangabe’. „Gestern bin ich für einen Autor bis in die LMU-Bibliothek gefahren“, sagt Rupp und grinst. Nur dort gab es eben eine solche Loseblattsammlung, die ein Autor für einen Text verwendet hatte. „Die wird auch von anderen Autoren fleißig zitiert, aber nirgendwo korrekt“, sagt Rupp, der in der Bibliothek der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München arbeitet. Für die L3T-Autoren überprüft er Zitate, recherchiert die korrekten Seitenzahlen und beantwortet Fragen der Autoren. Gut möglich, dass in der L3T-2.0-Ausgabe die genannte Loseblattsammlung zum ersten Mal korrekt zitiert wird.

Der Neubiberger Campleiter Alexander Florian freut sich über Rupps Einsatz, aber Kritik an dem ein oder anderen schludrigen Autoren muss er dann doch anmerken: „Es kann doch nicht sein, dass ein Autor nicht weiß, wen er zitiert hat. Sein Mitcampleiter Bernhard Ertl stimmt ihm zu: „Wenn ich ein wörtliches Zitat irgendwo abgeschrieben habe, dann kann ich doch auch kurz notieren, wo das gestanden hat.“ Im Münchner l3t-Camp wird diskutiert: Über korrekte Zitate, angemessene Fußnoten und die verloren gehende Tugend des Sekundärzitats („Meyer nach Huber 95“). Aber das Besondere am Camp in München ist seine, sagen wir mal, Abgeschiedenheit. Mit der U-Bahn nach Neuperlach-Süd, dann mit dem Bus noch weiter bis zum Eingang der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Alles eingezäunt, Schlagbaum, Passkontrolle. „Wir sind hier nicht so 2013-08-21 16.02.48zentral gelegen“, sagt Florian. „Wir haben eine Wache am Eingang – das macht Spontanbesuche ein bisschen schwerer.“ – Aber wer es bis zum Gebäude 33/200 geschafft hat, der kann dann in Ruhe arbeiten. Am Mittwoch waren zum Beispiel auch die Lektorinnen Esther Debus-Gregor und Cornelia Graupner-Küsel vor Ort, um einigen Texten noch die Bandwurmsätze auszutreiben und den letzten Schliff zu geben. Hier ein paar Fotos und Audiofiles zum Nachhören:

2013-08-21 15.01.59

Launige Diskussion über korrekte Zitate und schludrige Autoren mit Alexander Florian, Bernhard Ertl und Maria Mann-Kallenborn (Leiterin Bibliothek).

Bernhard Ertl über das aussterbende Sekundärzitat

ps. Das Eis war super.
pps. Wenn ich überall so viel Kaffee trinke, sterbe ich bis nächsten Mittwoch an Herzkasper ☺

Yvonne Pöppelbaum arbeitet als freie (Online-)Redakteurin in Hamburg und wird als mobile Reporterin vom 20. bis 28. August alle acht L3T-Camps besuchen und hier im Blog darüber berichten.

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